Reflektoren können Leben retten – Mach Dich sichtbar
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Die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Menschen im Südwesten ist auf einem historischen Tiefstand. Allerdings gibt es auch schlechte Nachrichten.
Stuttgart! Die gute Nachricht zuerst: Noch nie haben sich laut Unfallstatistik so wenige Menschen im baden-württembergischen Straßenverkehr schwer verletzt wie im vergangenen Jahr (5950). Die Zahl der Getöteten sank ebenfalls merklich um 29 auf insgesamt 340. „Die Vision Zero – ein Straßenverkehr ohne Getötete und Schwerverletzte in Baden-Württemberg ist und bleibt unser klares Ziel“, sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) in Stuttgart, der das Land auf dem richtigen Kurs sieht, nahm die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten seit 2010 doch um 30 Prozent ab.
Auch in Bayern ist die Entwicklung positiv, dort starben vergangenes Jahr im Verkehr 495 Menschen (minus vier), die Gesamtzahl der Verunglückten blieb in etwa gleich (62.686). Es gibt aber auch alarmierende Nachrichten.
So kamen 14 Kinder (bis 13 Jahre) vergangenes Jahr auf den Straßen Baden-Württembergs ums Leben, im Jahr davor war es nur eines. 2516 Kinder wurden bei Unfällen verletzt, 113 weniger als im Vorjahr. „Die Verkehrssicherheit von Kindern hat bei uns schon immer oberste Priorität“, betonte Strobl. „Die Kleinsten können viele Gefahren noch nicht richtig einschätzen“, vor allem Erwachsene müssten mit gutem Beispiel vorangehen.
Immer mehr in den Fokus des Verkehrsgeschehens rücken auch ältere Menschen. So stieg die Zahl der Verkehrsunfälle mit Seniorinnen und Senioren auf 27.127 (2023: 26.386). Und die Anzahl der Getöteten bei den Älteren nahm um 7,6 Prozent zu – auf 127 Personen. „Damit war mehr als jeder dritte Verkehrstote im Seniorenalter“, erklärte der Innenminister, der dafür auch eine veränderte Motorisierung verantwortlich macht. „Gerade für Seniorinnen und Senioren sind Pedelecs ein beliebtes Fortbewegungsmittel“, so Strobl. „Die Verletzungsfolgen bei einem Unfall sind für ältere Menschen freilich meist schwerwiegender. Im letzten Jahr verunglückten 20 Seniorinnen und Senioren mit einem Pedelec tödlich.“
Die Fahrräder mit Elektromotor spielen aber auch in anderen Altersgruppen eine Rolle. So waren von den 57 getöteten Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern 33 mit einem Pedelec unterwegs. „Damit endeten Pedelecunfälle mit Personenschaden häufiger tödlich als die mit herkömmlichen Fahrrädern.“ Auch die wachsende Beliebtheit von Elektrokleinstfahrzeugen wie E-Scootern spiegelt sich in der Bilanz wider, die Verkehrsunfälle damit nahmen um mehr als ein Drittel zu. „E-Scooter sind schnell und leicht verfügbar – und damit ein verlockendes Beförderungsmittel, auch nach einer feucht-fröhlichen Partynacht“, sagte Strobl, der mehr Verkehrskontrollen ankündigte.
Das gilt auch für den Autoverkehr, ist die häufigste Ursache bei tödlichen Unfällen doch weiterhin überhöhte Geschwindigkeit, gefolgt von Ablenkung, vor allem durch Smartphones, und mangelnde Verkehrstüchtigkeit, sprich Alkohol und Drogenkonsum. Neben Kontrollen will das Innenministerium die Prävention forcieren, etwa im Bereich der Elektromobilität, aber auch bei den Risikogruppen Senioren und Kinder.
Wichtiger Partner dafür ist die Landesverkehrswacht Baden-Württemberg. Deren Geschäftsführerin, Viktoria Jerke, sagte zu schwaebische.de: „Man muss sehr stark darüber aufklären, dass Fußgänger die Schwächsten sind im Straßenverkehr – insbesondere in Bezug auf Kinder.“ Die Verkehrserziehung des Nachwuchses wiederum beginnt schon im Kindergarten, beim Verhalten an Ampeln und Zebrastreifen. Später folgt Schulwegtraining, das in oft die Polizei übernimmt. Und zu Beginn eines Schuljahres wird an die Wachsamkeit aller Verkehrsteilnehmer appelliert, gemäß dem Motto: Vorsicht, nun sind die Kleinsten, die Unerfahrensten unterwegs.
Aufklärung ist das eine, Einsicht aber noch was anderes. „Wir haben im Straßenverkehr eine sehr aufgeheizte Stimmung“, erklärt Jerke. „Wenn ich als Fahrradfahrer unterwegs bin, schimpfe ich über die Autofahrenden. Wenn ich als Autofahrender unterwegs bin, schimpfe ich über die Fahrradfahrenden und über die E-Scooter sowieso.“ Erschwerend kommt ein immer intensiverer Verkehr dazu, in dem sich die Menschen zunehmend überfordert fühlen. „Das hat auch was mit den Ablenkungsmöglichkeiten zu tun.“ Vor allem über das Smartphone, das mit Nachrichten, Musik und Anrufen die Aufmerksamkeit regelrecht aufsaugt. „Auch bei Fußgängern beobachten wir den Blick aufs Handy statt den Blick auf den Gehweg oder die Straße“, wodurch ein ständiges Gefahren- und Unfallrisiko für alle Beteiligten entsteht.
Was aus Sicht der Verkehrswacht dagegen hilft: Die Umwelt bewusst wahrnehmen, das Regelwerk einhalten („Da hat sich ja jemand was dabei gedacht“) und nicht zuletzt der Respekt vor den anderen: „Die gegenseitige Rücksichtnahme spielt eine große Rolle“, sagt Jerke. „Da kann man nicht müde werden, das den Leuten zu erklären.“ Und stößt trotzdem allzu oft auf taube Ohren.
